Newsletter MenschenBildung 03/2021

"Meine Eltern - das war Schutz, Vertrauen, Wärme. Wenn ich an meine Kindheit denke, spüre ich noch heute das Gefühl der Wärme über mir, hinter mir und um mich, dieses wunderbare Gefühl, noch nicht auf eigene Rechnung zu leben, sondern sich ganz, mit Leib und Seele, auf andere zu stützen, welche einem die Last abnehmen.
Meine Eltern trugen mich auf Händen, und das ist wohl der Grund, warum ich in meiner ganzen Kindheit niemals den Boden berührte. Ich konnte weggehen, konnte zurückkommen; die Dinge hatten kein Gewicht und hafteten nicht an mir. Ich lief zwischen Gefahren und Schrecknissen hindurch, wie Licht durch einen Spiegel dringt. Das ist es, was ich als Glück meiner Kindheit bezeichne, diese magische Rüstung, die - ist sie einem erst einmal angelegt - Schutz gewährt für das ganze Leben"

                                                                   (Jacques Lusseyran)

Liebe Leserinnen, liebe Leser
Treffender als Jacques Lusseyran kann man aus meiner Sicht nicht formulieren, was das Fundament der bedingungslosen elterlichen Liebe für das ganze weitere Leben bedeutet. In seinem 1966 publizierten Buch "Das wiedergefundene Licht - die Lebensgeschichte eines Blinden im französischen Widerstand" erfahren wir dann auch, welche unerschütterliche Kraft und Zuversicht ihn, aus dieser Grunderfahrung, durch ein wahrlich nicht behütetes Leben führt. Durch einen Unfall erblindet er im Alter von 8 Jahren. Er erlebt dies aber nicht als schrecklich und behindernd, sondern beschreibt die unglaubliche Intensität, die all seine verbleibenden Sinneseindrücke fortan gewinnen. Sein inneres Licht überträgt sich aufs Aussen und lässt ihn alles um ihn so differenziert wahrnehmen, dass schon bald er der Sehende wird, der seinen Mitmenschen Orientierung und Sicherheit geben kann. Mit 17 Jahren gründet er in Paris innerhalb der "Résistance" eine Organisation von Jugendlichen, die gegen die deutsche Besatzungsmacht kämpft. 1943 wird er verhaftet, nach Buchenwald deportiert und ist bei Kriegsende einer der wenigen Überlebenden des KZ's. Selbst an diesem Ort des Todes ist er es, der es versteht, viele andere Lagerinsassen mit der richtigen Dosis aus Nachrichten von draussen, Ruhe und Herzenswärme zu versorgen.

Was gelang Überlebenden wie ihm, was den Meisten in dieser unmenschlichen Situation nicht gelang ? Jacques Lusseyran schrieb dazu:
"Um im Lager zu leben , musste man teilhaben, nicht nur für sich selbst leben. Ein solches auf sich selbst bezogenes Leben hat in dieser Welt der Deportierten keinen Platz. Man muss darüber hinauswachsen. Etwas ergreifen, das grösser ist als man selbst. Gleichgültig wie: Durch das Gebet, wenn man beten kann, durch die menschliche Wärme, die von einem andern kommt und die man ihm wieder gibt, oder ganz einfach dadurch, dass man aufhört, gierig zu sein."

Diese Lebensgeschichte zu lesen hat mich tief berührt. Sie ist ein eindrückliches Beispiel dafür, was MenschenBildung wie ich sie verstehe, bewirken kann.
In meiner Generation sind hinter der Fassade von Wohlstand und gutbürgerlichen Familiengeschichten unzählige Schicksale von Verwahrlosung, Überforderung, Gewalt und Zerrüttung zu finden.

Ich halte dies für einen sehr wesentlichen Grund dafür, dass wir uns in einem der reichsten Länder der Welt oft mehr als Überlebende denn als Privilegierte fühlen.
Meine Hoffnung ist, dass wir ein Bewusstsein für diesen grundlegenden Zusammenhang entwickeln, das uns ermöglicht, nicht einfach weiter zu geben was wir selber erlebt haben.
Was wir dann unseren Kindern an bedingungsloser Liebe, Zuwendung und Wärme schenken können, das wird sie später durch schwierigste Lebenssituationen tragen. Es ist der unerschöpfliche Proviant für alle uns unbekannten Zukunftsreisen, den wir ihnen mit auf ihren Weg geben können.
Die Geschichte von Jacques Lusseyran zeigt ausserdem, dass eine solch stärkende Kindheit auch unter widrigsten äusseren Voraussetzungen möglich ist. Die einzige Voraussetzung ist, dass wir vorbehaltlos zu unseren Kindern halten.
So wünsche ich euch und allen Kindern einen in jeder Hinsicht wärmespendenden Sommer !
Herzlich,

Nachruf und Dank

Unerwartet ist Henning Köhler am 8. April verstorben. Diese Nachricht hat mich tief getroffen.
Mir ist bisher niemand begegnet, der sich derart konsequent und kompromisslos für die Liebe zu Kindern eingesetzt hat. Unermüdlich setzte er sich als Heilpädagoge und Botschafter für die Erkenntnis ein, dass es schwierige Kinder nicht gibt, sondern wir die Schwierigkeiten, die sie uns machen, als Hilferufe ihrer Not wahrnehmen und aus dieser erwachsenen Sicht alles tun sollten um dem Kind zu helfen, statt mit weiteren Massnahmen ihre Not nur noch zu vergrössern.
Henning ist mir nur wenige Male, im Rahmen unserer Veranstaltungen, begegnet. Und doch spielte er in dem was ich denke und tue seit Jahrzehnten eine entscheidende Rolle. Ich wusste in ihm einen Verbündeten in der Ferne, der sich viel umtriebiger und mit grösseren Worten derselben Sache widmet. Das tat unglaublich gut, denn es gibt ganz einfach nur Wenige, die sich derart klar und verlässlich, ohne wenn und aber auf die Seite der Kinder stellen. Doch auch schon nur einen Gleichgesinnten zu wissen trägt einem weit. Dafür war und bin ich ihm unendlich dankbar.
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich für die Kinder jetzt nicht bloss eine grosse Stimme weniger, sondern viele neue erheben.
Aktuelle Anregungen dazu hat er uns wenige Tage vor seinem Tod mit dem folgenden, längeren Brief hinterlassen:

Mit Kindern Leben gestalten in der Corona-Krise
Ein Elternbrief
und ein Wort an die Jugendlichen

Veranstaltungen

freie Plätze für Kurzentschlossene:

Gerda Salis
Spiel als Sprache des Kindes

Die verbale Sprache ist für das Kind noch eine begrenzte Möglichkeit, um sich auszudrücken. Im freien primären Spiel findet es eine Raum, in dem es alles, was es innerlich bewegt, ausdrücken kann. Jede Spielhandlung, jede Spielgeste ist immer ein Dialog mit der Welt. Verstehe ich diese Sprache, die auch mir als Kind vertraut und zugänglich war, selber noch? Was zeigt und sagt mir das Kind? 
Spielerisch tauchen wir selber wieder in Spielerlebnisse ein. Anhand von Spielgeschichten versuchen wir, die Tiefe des kindlichen Spiels besser zu verstehen.
neues Datum: Samstag 12. Juni, neuer Ort: Olten
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Schulleitung und Team der Villamonte
Freilandhaltung auch für Menschenkinder ? Besuch in der Villamonte, einer Schule, wo jedes Kind immer das tun kann, was es wirklich tun möchte

Die Villamonte ist ein Ort, wo 3-18 jährige Kinder und Jugendliche in Bewegung bleiben und frei entscheiden, wo sie tätig sein möchten, sei es drinnen oder draussen. Sie bietet den Kindern und Jugendlichen eine Umgebung an, die ihren individuellen Entwicklungsbedürfnissen entgegenkommt.
Ja, eine solche Schule gibt es! Seit 35 Jahren. Ja, es funktioniert ! Kinder wissen, was sie tun möchten, es gibt keine Notwendigkeit sie zu unterrichten.
Kommt mit allen euren Fragen und Zweifeln und packt die Gelegenheit, an einem Schulmorgen Einblick zu erhalten !
Freitag 10. September, in Galgenen
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Karel Dolista
Studienreise: Prag zwischen gestern und morgen

Prag ist eine in mancher Beziehung ganz ausserordentliche Stadt. Etliche für ganz Europa zukunftsweisende Impulse gingen von diesem Ort aus. 
Unsere Studienreise bietet sachkundige Führungen, spannende Erzählungen und genügend Zeit für individuelle Unternehmungen.
Mit einer Teilnahme in diesem Jahr helft ihr ganz konkret die Existenz unseres bewährten Führers zu sichern, den die Coronamassnahmen sehr hart getroffen haben.
4.-10. Oktober, in Prag
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Dominik Rentsch
Move, clap & smile 7 - Rhythmus- und Bewegungsspiele für den Unterricht

Ziel des Kurses ist es, einen originellen Fundus an Rhythmusspielen und Bewegungselementen anzulegen, die zur Auflockerung oder zur Stärkung des Selbstbewusstseins und der Konzentration im Unterricht mit Kindern & Jugendlichen angewandt und weiterentwickelt werden können. Nebenbei wird auch das eigene kreative Potential angesprochen und es gilt: „Der Weg ist das Ziel !“Mit Humor gewürzt und durch Improvisation verfeinert. Wer bei Dominik Rentsch schon einmal dabei war bekommt hier, wie vielfach gewünscht, Gelegenheit sein Repertoire zu erweitern. Für Neueinsteiger ist der Kurs aber genauso geeignet !
Samstag 23. Oktober, in Zürich
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Ulrike Kegler
Lob den Lehrerinnen – Wer Beziehungen stärkt macht Schule gut

Wir brauchen eine neue Beziehungskultur an den Schulen.
Ulrike Kegler bringt uns an diesem Tag die Inhalte ihres neuen Buches "Lob den Lehrer*innen" nach Zürich. Sie weist uns darin eine Fülle von Wegen, um Lehrerinnen und Lehrer zu unterstützen. Auf sie kommt es an, wenn wir Schule erfolgreich machen wollen. Denn wo die Erwachsenen gemeinsam an den Beziehungen arbeiten, nehmen sie die Kinder und Jugendlichen mit.
neues Datum: Samstag 27. November, in Zürich 

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Veranstaltungen anderer Anbieter

Autorenlesung mit Musik

Am Donnerstag, den 10.6.2021, 20.00 Uhr, liest Hans Peter Scheier aus seinem Roman über das Leben von Heinrich Pestalozzi.
Ort: Schloss Burgdorf, wo Pestalozzi einige Jahre gewirkt hat.
mehr Infos/Anmeldung

 

Anthroposophische Sommertagung
Zürich, 16.-19.7.
Gerne laden wir Sie zur Sommertagung 2021 ein!
Anmeldungen mit Kurswahl sind ab sofort möglich. Die Zahl der Teilnehmenden an den einzelnen Kursen ist begrenzt. Aufgrund der ausserordentlichen Umstände durch die Corona-Epidemie bestätigen wir bis 17. Juni 2021 die Durchführung der Tagung.
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Das 14. Pädagogische Sommerakademieprogramm und Klassenlehrerfortbildung 2021 
Autonomieentwicklung und Gesundheit fördern - aktuelle Aufgaben der Pädagogik
Do. 29.7 - So.1.8.2021 an der Tübinger freien Waldorfschule
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CH Fachtagung Elementarstufe
Samstag, 4. September 2021, 9.15 – 17.00 Uhr, Rudolf Steiner Schule, Jakobsbergerholzweg 54, 4059 Basel
Mitwirkende: Clara Aerts, Michaela Glöckler, Barbara Sarasin, Marianne Tschan
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Warum sind Handgesten- und Reigenspiele besonders gute Anreger gesunder Gehirnentwicklung ?

Tagesseminar am Sonntag, 26. September 2021, Rudolf Steiner Schule Mayenfels in Pratteln.
mit Dr. Michaela Glöckler und Jacqueline Walter 9.30-17.00, Rudolf-Steiner-Schule Mayenfels, Hof Mayenfels 15 4133 Pratteln.
Unkostenbeitrag: 110 / 90 ChF
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Freie Musik Schule Bad Boll: Tagung
12. Arbeitstage für Musik als soziale Kunst in Heilpädagogik und sozialer Arbeit

Wie bei den füheren Arbeitstagen gibt es auch diesmal ein vielseitiges Programm mit Plenumsarbeit, Chor und breitgefächerten Kursen.
15.10.2021 - 18:00 bis 19.10.2021 - 12:00

Tagungsort: Lebensgemeinschaft Bingenheim

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Lesens-/ sehenswert

Jacques Lusseyran
Das wiedergefundene Licht - die Geschichte eines Blinden im französischen Widerstand

Die berühmt gewordene Lebensgeschichte eines als Kind Erblindeten, der seine Behinderung mit Phantasie und Disziplin überwindet, eines Mannes, dessen Leben als Widerstandskämpfer, Literaturprofessor und Schriftsteller von einer sensiblen Zuversicht getragen war, die ihn befähigte, auf unvergleichliche Weise zu »sehen«.
«Man tötet das Ich, wenn man dem Ego alle Rechte einräumt. Das Ich ist eine Verheissung, die dem Menschen gegeben ist, dass er eines Tages die Welt mit hellwachen Augen wird anschauen können, ja, dass er sich selbst gleichermassen wird wahrnehmen können und wird erkennen können, dass ein Ordnungsbezug, eine notwendige Beziehung zwischen ihm und dieser Welt besteht.»    (Jacques Lusseyran)
mehr Infos/Buch bestellen


Die Schule des Lebens -
Was wirklich wichtig ist, das lernen wir außerhalb der Institutionen

Viele Jahre lang werden wir in Schulen und Universitäten entsprechend den Anforderungen des jeweiligen Systems formatiert. Von klein auf werden wir zurechtgezogen, damit einmal etwas aus uns wird — so, als seien wir als Mangelware auf die Welt gekommen. Das meiste, was wir in den Institutionen lernen, vergessen wir schnell wieder. Was wir wirklich zum Leben brauchen, lernen wir vor allem in der Welt draußen, unter freiem Himmel. Die coronabedingten Schulschließungen sind ein Anlass, darüber nachzudenken, ob wir tatsächlich eine allgemeine Schulpflicht brauchen.
weiterlesen?

 

Mein Leben und der Notenschnitt – Vom Übertritt in die Oberstufe
Die Kinder der 6. Klasse haben neben der Schule tausend Dinge im Kopf. Doch sie stehen vor einer wichtigen Weichenstellung: Dem Übertritt in die Oberstufe. Der 50-minütige Dokumentarfilm von Luzius Wespe zeigt Träume, Tränen und Entscheide und gibt einen persönlichen Einblick in die Welt der Kinder.
mehr Infos/Film ansehen (nur noch bis 5.6. verfügbar, ich hoffe auf Verlängerung)

 

 

Stellenaussschreibungen


Rudolf Steinerschule Biel

Per 1. August suchen wir
eine schulische Heilpädagogin /
einen schulischen Heilpädagogen  40 – 60 %

Stellenausschreibung lesen

 

Wir suchen ab sofort oder nach Vereinbarung:
Klassenlehrerperson

Lehrperson für Eurythmie
im Kindergarten und in den Klassen 1-9 als Nachfolge, aufgrund Pensionierung

Lehrperson mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften(20%)
für unsere Mittel-und angehende Oberstufe

Für den Förderbereich: engagierte, qualifizierte Fachkräfte
mehr Infos/Stellenausschreibungen

In eigener Sache

Mitglieder-, Gönnerbeiträge und Spenden 2021

Herzlichen Dank allen, die den Mitglieder- oder Gönnerbeitrag 2021 bereits bezahlt haben. Wir sind froh wenn alle Mitglieder die ihren Beitrag noch nicht bezahlt haben dies bald noch nachholen und dankbar jede neue Unterstützung !


Die aktuellen Tarife:

Normal Verdienende

Fr.    75.-

Gönnerinnen, Gönner    

Fr. 150.-

 

 

 

 

 

Studierende

Fr.    40.-

Institutionen

Fr.  150.-

 

 

 

Alle Spenden und Beiträge per E-Banking auf das nachfolgende Konto überweisen (oder bei uns einen Einzahlungschein anfordern):

MenschenBildung – Kindern begegnen, Blümlimattweg 23, 3600 Thun
CH31 0900 0000 8766 0517 5

Danke!

Einladung zur Mitgliederversammlung 2021

Datum: Donnerstag 26. August, 19:00
Der Veranstaltungort wird kurzfristig, unter Berücksichtigung der Herkunft der TeilnehmerInnen gewählt. Deshalb bitte bis am 19. August voranmelden unter 033 534 31 34, oder an
info(at)menschenbildung.ch .

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