Newsletter FPA 02/2014

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Wenn ich gefragt werde was ich arbeite sage ich häufig: "Ich engagiere mich für artgerechte Kinderhaltung."
Das klingt für einige Ohren vielleicht salopp oder übertrieben. Je mehr ich mich aber mit unseren pädagogischen Anliegen auseinandersetze, umso dringlicher scheint es mir, diese Haltung und Perspektive möglichst dezidiert einzunehmen. Es sind nicht die Kinder, die immer schwieriger werden, es sind ihre Lebens- und Lernbedingungen: Kindgerechte Lebensräume und unverplante Spielzeit sind Mangelware. Die altersgemischte Kinderhorde in der Strasse musste längst dem Verkehr weichen und stürzt sich, jeder für sich alleine, mehr und mehr nur noch in virtuelle Abenteuer.

Einzelhaltung bei Kaninchen und Meerschweinchen ist heute verboten, man weiss und sieht schnell dass ihnen alleingelassen jede Lebensfreude abhanden kommt. Wie ist das aber bei uns? 65 % der Haushalte in Zürich sind heute Einpersonenhaushalte. Wir sind aber für das Leben in Sippen gedacht. Schon die Kleinfamilie erweist sich für manche Bedürfnisse und Anforderungen als völlig unzureichend. Das Dorf, das die Kinder miterzieht und autonomen Lebens- und Entdeckungsraum für Kinder bietet ist weg, zersiedelt in anonyme Funktionalität.

Es wird deshalb immer wichtiger, dass wir die kindlichen Enwicklungsbedürfnisse möglichst genau kennen. Da wir uns so weit von einer natürlichen Lebensweise entfernt haben müssen wir heute ganz bewusst neu lernen, dass Babies Schutz und Bindung brauchen, dass mehrere Stunden tägliches Spiel mit andern Kindern ab 2 1/2 Jahren extrem wichtig wäre und dass sich Schulkinder ebenso intensiv täglich draussen bewegen sollten. Davon hängt die gesunde kindliche Entwicklung ab; das schafft erst die Voraussetzungen dafür, dass Kinder gedeihen und einen Boden, auf dem sie täglich über sich hinauswachsen können.
Wir sind gefordert die kindlichen Bedürfnisse ernst zu nehmen und dafür Zeit und geeignete Lebensräume zu schaffen. Dazu braucht es die Abkehr von der ziel- und leistungsorientierten Erziehung, hin zu einer wirklich förderlichen Begleitung, in der Individualität und Gemeinschaft gleichermassen gepflegt werden.

Dabei sollten wir nie vergessen: „Kinder sind ungehorsam, frech, abenteuerlustig, verträumt, wirklichkeitsfremd, undiszipliniert, unvorsichtig, schalkhaft, masslos, impulsiv, rauflustig, unordentlich, respektlos.“ (Henning Köhler)

In diesem Sinn versuchen wir euch immer wieder zu inspirieren und mit unsern Kursangeboten, Texten und Büchern das nötige Wissen weiter zu geben.

Einen schwungvollen Frühling und herzliche Grüsse,
Christian Wirz

Veranstaltungen

Unser neues Kursheft ist da: Download als pdf

Übersicht über die kommenden Veranstaltungen:

Es hat noch Platz bei unserer Jubiläumstagung:
Ich trau Dir

Kinder mit Vertrauen und Autorität ins Leben führen
Leitung: Henning Köhler
Samstag 5. April in Zürich
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Pflanzen als Bilder der Seelenwelt
- Lesen lernen im Buch der Natur
Leitung: Daniel Wirz
Botanischer Garten Universität Zürich, 11.5., 1.6., 6.7., 31.8., 21.9. und 26.10., jeweils 12h15-15h.
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Feldenkrais und Malen
Leitung: Anna Fäh und Katarina Waser-Ouwerkerk
Samstag 10. Mai in Zürich
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Prag zwischen gestern und morgen
Reiseleitung: Karel Dolista
Studienreise 14.-20. Juli
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Lernräume - Kinder lernen und lehren in heterogenen Gruppen
Leitung: Beatrice Friedli Deuter
17. Mai in Zürich
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Erfahrung vor Wissen, denn der Weg ist das Ziel
Leitung: Daniel Wirz
Freitag 23. bis Sonntag 25. Mai, Rigi Klösterli
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Das Netzwerk des Lernens - Von Anfang an

Leitung: Marianne Oesch und Jacqueline Schori
Samstag 24. Mai in Thun
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Veranstaltungsreihe "Blick über den Zaun": Besuch an der Tagesschule Sesam
Lernen in Freiheit und Selbstverantwortung
Leitung: Judith Meuwly Correll, Rob Correll, Thomas Reichmuth
14. Juni in St. Wolfgang, Düdingen (FR)
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Mit Pflanzen leben - Ein Annäherungsversuch
Leitung: Daniel Wirz
Samstag 21. Juni im Kulturkloster Altdorf
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Veranstaltungen anderer Anbieter

Ausbildung Figurenspieltherapie

Informationsveranstaltungen für Interessierte:
Freitag, 4. April 2014
Freitag, 6. Juni 2014
jeweils 18.00 – 20.00 Uhr, Im „Flörli“ Florastr. 21, 4600 Olten.
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Arbor-Seminare
Achtsamkeit ist alles! Weiterbildung zum Achtsamkeitstrainer für Kinder und Jugendliche in Bern
Leitung: Eline Snel
"Wenn man wach, freundlich und mit bewusster Aufmerksamkeit anwesend ist, ist man in Kontakt mit dem, was in einem und um einen herum geschieht. Auf diese Weise erfährt man sich als vollkommen 'lebendig', als Teil des Ganzen und in Kontakt mit der Wirklichkeit, so wie sie sich darstellt." (Eline Snel)
Daten: 10.-12.10.2014 und 1.-3.5.2015
Teilnehmen kann nur, wer vorher einen 8-wöchigen MBSR-Kurs bei einem/r zertifizierten MBSR-Lehrer/Lehrerin absolviert hat.
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SchulbauForum Nordwestschweiz: Planung, Neubau und Nutzung der Primarstufe Turmatt Stans
Donnerstag, den 10. April, 18.00 Uhr, im schauraum b der Blaser Architekten an der Austrasse 24 in Basel.Theres Odermatt, die Schulzentrumsleiterin Turmatt, wird dabei aufzeigen, wie Stans für die neue Schule zu einem pädagogisch begründeten Betriebs- und Raumkonzept gekommen ist. René Bosshard, der Architekt, wird seinen Auftrag vor- und darstellen, wie er vor sieben Jahren baulich umgesetzt worden ist. Beide werden über Erfahrungen aus dem Planungs- und Bauprozess sowie bei der Nutzung der neuen Schule berichten.
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“Part Time Kings” – am Sonntag bin ich König -
Ein Film über die Zukunftswünsche der Kinder, aus sieben Länder, rund um die Welt. Filmvorführungen mit der Filmregisseurin Elke von Linde:
Aarau: 5.4., 15h. Zürich: 7.4. 14h.
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Die Agenda für anthroposphie Veranstaltungen in der Schweiz:
AGORA - Monatszeitschrift mit Beiträgen aus dem gesellschaftlichen Leben und zum Zeitgeschehen, . Jahresabo: Mind. 47.-
Das Heft und die Veranstaltungshinweise sind auch online zu finden.
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Lesens- bedenkenswert

Welche Erziehung brauchen Kinder denn? Darüber werden unzählige Debatten geführt und in Buchhandlungen stehen Regale voller Ratgeber, deren Widersprüchlichkeiten einem mehr ratlos machen als Orientierungshilfe bieten. Sehr hilfreich finden wir hier die evolutionsbiologische Sicht des deutschen Kinderarztes Herbert Renz Polster. Seit langem forscht er zur Frage, unter welchen Bedingungen Kinder im Lauf der Menschheitsgeschichte und der Kulturen aufwuchsen. Bis vor kurzem lebten wir Menschen alle als Jäger- und Sammlergemeinschaften. Unter diesen Bedingungen sind wir zu den Menschen geworden, die wir heute noch sind. An diese Anforderungen hat sich die kindliche Entwicklung optimal angepasst. Vor diesem Hintergrund wird einem auf einmal sehr klar, warum Babies und (Klein-)Kinder sind wie sie sind, warum sie nicht alleine schlafen oder Gemüse essen wollen und warum sie mit ca. 3 Jahren plötzlich einen so starken Willen entwickeln. Es wird uns aufgezeigt, dass man sich die meisten (Macht-)Kämpfe mit Kindern sparen könnte, weil es um ganz andere Dinge geht als Macht oder Trotz.
Deshalb können wir euch die Lektüre des folgenden Buches wärmstens empfehlen:
Menschenkinder – Plädoyer für eine artgerechte Erziehung

Die meisten Theorien in der heutigen Erziehung sind reine Spekulation. Zeit, dass wir neu Mass nehmen. Und zwar an den Kindern, fordert der Kinderarzt und Wissenschaftler.
Infos zu Autor und Buch, Leseprobe
Buch bestellen

Diverse Texte von Herbert Renz Polster und noch viel mehr findet ihr hier.

Das Kind als Bio-Aktie (Götz Eisenberg)
Kinder des digitalen Zeitalters leiden unter neuartigen Formen der Missachtung.
Eltern betrachten ihr Kind offenbar nicht mehr als Geschenk, sondern als eine Art Bio-Aktie, von der eine gute Performance erwartet wird. Seit die Bergwerke stillgelegt sind und keine Kohle mehr gefördert wird, hat man die kindlichen Gehirne als „Ressource“ und „Humankapital“ entdeckt. Schon wird von Frauen berichtet, die ihre schwangeren Bäuche mit Kopfhörern beschallen. Schluss mit dem zweckfreien Spiel am Bach und im Sandkasten, die Konkurrenz schläft nicht: Andere Kinder haben mit zwei Jahren bereits 600 englische oder chinesische Wörter aufgesogen und dabei ihre „Synapsen optimal vernetzt“. Es erscheinen Ratgeber, die propagieren: „Ein Leben lang für Vorsprung sorgen.“ Mutterliebe und eine vertrauensvolle Atmosphäre sind nicht länger um ihrer selbst willen da, sondern fördern die Herausbildung einer leistungsfähigen neuronalen Struktur.
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Mehr Freiräume im Lehrerberuf! (Medienmitteilung LEBE, 25.2.)
LEBE-Pädagogik lanciert mit die Diskussion um die „Freiräume im LehrerInnenberuf“ neu. Mit der Vorpremiere des Films „alphabet“ und einer pädagogischen Podiums-Diskussion im ausverkauften cineClub in Bern wurde ein erster Akzent gesetzt. Fazit: Die Schule braucht mehr Freiräume, die Lehrpersonen müssen gestärkt werden.
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Werdet Täter! (Christian Wirz, Schulpraxis 1/14)
Gute Schulen brauchen autonome Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Stärken einbringen und den Mut haben, das zu tun, was sie für richtig halten.
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Die Schule hinter den sieben Bergen (Geri Krebs, NZZ vom 13.3.)

Im Dokumentarfilm «Tableau noir» zeigt Yves Yersin die entschwindende Welt eines alten Pädagogen.
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Tableau Noir im Kino: wo und wann

Wo Schüler machen, was sie wollen (Ursula Eichenberger, Tagesanzeiger 26.3.)

Besuch in der Privatschule, in der Kinder und Jugendliche das tun können, was sie wirklich tun möchten. Wie das?
«Wenn ich nur darf, was ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann mag ich auch nicht, wenn ich muss. Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll, und dann kann ich auch, wenn ich muss. Denn die können sollen, müssen wollen dürfen.»
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Unsere Computersucht: Epiphanie für jedermann
(von Hannelore Schlaffer, NZZ  14.2.)
Über die Computersucht ist schon viel nachgedacht worden – meist wird sie auf Inhalte wie Fun und Sex, Gewalt und Games zurückgeführt. Dass es das Licht von hinten ist, das uns derart fasziniert, ist ein neuer Gedanke. Er findet Halt in einer uralten ikonografischen Tradition.
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Zu guter letzt: Unser neues Bücherverzeichnis ist da!

Alle Titel können auch direkt, nach Kategorien sortiert, online angesehen und bestellt werden: Zum Shop

Buchempfehlung

Grimm: Die sechs Schwäne – ein wunderschönes Bilderbuch

Angela Koconda ist mir als Kinderbuchillustratorin seit sehr langer Zeit aufgefallen – eine grosse Künstlerin, die in ihren zauberhaften Bildern dem Wesen der Kinder und dem der Märchen in beeindruckender
Weise gerecht zu werden vermag. Das Buch ist eigentlich vergriffen. Mehr zufällig konnte ich noch einmal 20 Restexemplare ergattern.
D.W.
42 Seiten, gebunden, Fr. 28.–
Bestelladresse: FPA, PF 801, 6301 Zug, info@arbeitskreis.ch, 041 710 09 49

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Die Initiative für eine freie Waldorfschule in Regensburg sucht eine(n) GründungslehrerIn !
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Die Freie Schule am Mauerpark, eine selbstverwaltete Freie, Alternative Grundschule (www.freieschuleberlin.de) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Grundschullehrerin/einen Grundschullehrer für das Fach Englisch mit 1. oder 2. Staatsexamen für eine 36-Stunden Stelle im Ganztagsschulbetrieb. Wir setzen Teamfähigkeit und eine achtsame Haltung gegenüber den Kindern voraus, die es ermöglicht, sie auf ihrem Weg des freien, entdeckenden Lernens respektvoll zu begleiten. Die Bezahlung erfolgt nach Haustarif. Bewerbungen bitte ausschließlich per Mail an: b-komm(at)freieschuleberlin.de

 



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